Kein Original, nur ein Abguss. Keine Kunst, nur Handwerk. Nichts echtes, nur eine Kopie. Darf man Abgüsse innerhalb des bildhauerischen Schaffens so einordnen?
Oder sind sie etwas Eigenständiges - sind selbst Kunst und von Publikum und Fachwelt auch als solche zu bewerten. So, wie ja auch die Fotografie längst ihren Platz als künstlerisches Medium gefunden hat. Modell — Form — Abguss beschriebene Prozess schafft ebenso — gar mehr noch als die Fotografie— eine medialisierte, unmittelbar ins Bild gesetzte Wirklichkeit. Und noch eines darf man, muss man sich vergegenwärtigen. Das ist ein Prozess, eine Abfolge, die es schon sehr lange gibt. Bereits Jahrhunderte, bevor die Worte analog und digital überhaupt Einzug in den Sprachgebrauch hielten, gab es diese Verfahren. Sie sind aus heutiger Sicht genauso zu deuten.
Sogar im alten Ägypten wurde bei Ausgrabungen eine Gipsformerei entdeckt.
Erst das Modell, dann die Form und… jeder Abguss, der am Ende dieser Abfolge steht, ist im Ergebnis: Gespeicherte Realität. Wir können das auch ‚
"Geschichte" nennen. Lange bevor Prozessoren sich einmischten, war der Prozess bereits etabliert. Abgüsse und Formen sind für sich großartige Speichererlebnisse und wirken auf jeden Betrachter. Sie emanzipieren sich — von ihren Originalen und Vorlagen.
Fotos: Staatliche Museen zu Berlin - Gipsformerei, Wartenberg-Photoraphie (oben) und Thomas Schrelper (unten)