Artefakt | Handdruckpresse



Presse - ein Wort mit doppelter Bedeutung. Wo eine Presse presst, kommt Saft heraus —oder Öl.

Oder manchmal auch das, was wir Wahrheit nennen. Wir haben uns daran gewöhnt: Man muss sich nur intensiv und energisch genug mit der Wirklichkeit beschäftigen, dann kommt Wahrheit dabei heraus.

So entsteht im besten Fall Erkenntnis und Aufklärung. Aber beides benötigt den Ort, wo es gebraucht wird, wo ein Mangel an Erkenntnis und Aufklärung besteht. Mit Neugier ist das — grundsätzlich aber doch nicht hinreichend— beschrieben.

Die Welt, in der Gutenberg lebte, war eine Welt voller Ängste. In den Köpfen der meisten Menschen steckte die Vorstellung von einer Scheibe, von der man auch herunterfallen konnte. Und oben drüber: der strafende Gottvater. 

Gutenbergs Erfindung kam in eine Zeit hinein, als die Gewissheiten in menschlichen Köpfen durcheinander purzelten. Kolumbus landete nicht dort, wo er hinwollte, Martin Luther fand heraus, dass Gott gar nicht so böse ist und Kopernikus und Galilei nahmen ihren Zeitgenossen die Illusion, dass das, um das sich alles dreht, nicht die Menschheit ist. Man konnte jetzt mehr wissen, als es Klerus und Kaiser erlauben mochten. 

 

Foto oben: Korrex, Drucken & Lernen, Bernhard Bode

Foto unten: Willi Heidelbach, CC BY 2.5, wikipedia


Vor über sechzig Jahren kamen Aufkleber und Schilder in Mode, auf denen fett das Wort „Presse“ stand und klein darunter „…dein Gesicht nicht gegen diese Scheibe“. Ein billiger Witz.

Aber es finden sich das Wirken und die Anstrengungen, die in gedruckten Lettern und Worten stecken, auch in diesem Wortspielchen wieder.

 

Wo Presse wirken soll, wird Druck aufgebaut. Es gibt auch Gegendruck und dieser richtet sich ebenso auf das Gepresste wie auf die Presse selbst. Dass ein Vorgang mit Schmerzpotenzial pressen! — Den Ausgangspunkt für das Vornehmste, was eine offene Gesellschaft darstellt, ist kein Zufall. Hier kann sich ‚gepresste‘ Wirklichkeit im Neugier ’Kortex’ menschlicher Gehirne entfalten.